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Schloss Einstein - die erste Soap Opera im deutschen Kinderfernsehen
Diplomarbeit von Peter Hermann
 
Interview mit Dr. Klaus-Rüdiger Mai
Dramaturg bei Schloss Einstein, Askania Media GmbH, Potsdam
Interview am 14.12.99 in Berlin

 

Sie waren nicht nur an den ersten 60 Folgen von Schloss Einstein als Dramaturg beteiligt, sondern bereits an der Entwicklung des Formats. Könnten Sie mir zunächst erzählen, wie sie dazu gekommen sind?

Ich habe für die Bavaria als Drehbuch- und Outline-Dramaturg beim Marienhof gearbeitet. Bea Schmidt, die bei der Bavaria für Programmentwicklung und Controlling zuständig ist, fragte mich dann, ob ich mir vorstellen könne, eine Kinderserie mit zu entwickeln. Sie erzählte mir, dass Gert Müntefering vom WDR ein neues innovatives Format für Kinder haben möchte, ein Format, in dem Kinder sich nicht nur wiederfinden, sondern das sie auch regelmäßig schauen. Müntefering hat ja mal den wunderbaren Satz gesagt: „Kinderfernsehen ist, wenn Kinder fernsehen“. Das bedeutet, dass man auch im Kinderfernsehen auf der Höhe der Zeit sein sollte, was neue Formate betrifft, und daraus ist der Gedanke entstanden, eine Weekly für Kinder zu machen. Müntefering hat damals einen Redakteur und einen Autor beauftragt, die sich beide erst in diese neue Problematik „Weekly“ einarbeiten mussten. Weil ich schon Erfahrungen bei Daily Soaps hatte und wusste, wie eine solche Geschichte funktioniert und läuft, sollte ich die Entwicklung dann mitbetreuen.

Gab es damals schon die Grundidee zu Schloss Einstein?

Die Grundidee, eine Weekly für Kinder zu machen, zu sagen, wir schaffen ein solches Format, die wurde, glaube ich, bereits 1996 in der ARD diskutiert. Es gab auch schon verschiedene Entwürfe. Der Entwurf des WDR hieß „Der Sprung ins Leben“ und es ging um ein Eiskunstlauf-Internat. Diesen Entwurf habe ich im April 1997 gelesen und bin zusammen mit dem Autor, dem Redakteur und Bea Schmidt in die Programmkommissions-Konferenz gegangen, also die Konferenz der Familien- bzw. Kinder- und Jugendprogramm-Chefs der ARD-Anstalten. In dieser Runde haben wir dann darüber diskutiert, welche Parameter so etwas haben könnte und in welcher Weise sich so etwas entwickeln soll. 

Was waren dann die Vorgaben für die weitere Entwicklung?

Wir haben auf dieser Sitzung gesagt, eine Weekly, die in einem Eiskunstlauf-Internat spielt, wird nicht zu schaffen sein. Es war ja von Anfang an klar, dass im Haupt-Cast Kinder spielen sollten. Das war ja das Neue an der Serie, das ist auch der Kraftquell, der Wärmequell dieser Serie, dass man sagt, die Kinder sind die Helden, aus ihrer Perspektive heraus werden die Geschichten erzählt. Nun hat man in Deutschland mit „Kinderarbeit“ beim Film und Fernsehen schon genug Probleme, aber dann auch noch Kinder zu finden, die Eiskunstlaufen können, das wäre einfach ein Versuch gewesen, der, glaube ich, nach hinten losgegangen wäre. Wir haben dann festgelegt, dass wir kein Sportinternat erzählen wollen. 

Wir haben aber gesagt, die Internatsidee ist toll – aus einem ganz bestimmten Grund: Wenn man Kinder erzählt, ist es schön, wenn man sie auch ein Stückweit weg von den Erwachsenen erzählen kann. Wir wollten also nicht nur eine Kinderserie erzählen, in der Kinder im Haupt-Cast agieren, sondern die Idee war, dass wir genau an dem Punkt anfangen zu erzählen, an dem Kinder beginnen, selbständig zu sein, selbständig Entscheidungen zu fällen, selbständig Verantwortung zu übernehmen und für ihre Entscheidungen auch einstehen zu müssen. 

Das waren im Prinzip die Vorgaben. Ach ja, und dann war auch noch klar, dass die Serie in Brandenburg spielen sollte, weil wir wussten, dass sie in Potsdam produziert werden soll. Aber es war auch klar, dass wir keine Ost-West-Geschichte erzählen, weil diese Ost-West-Geschichte möglicherweise bei den Kindern nicht mehr so präsent ist und man da nicht mit Dingen spielen muss, die über ihren Häuptern schweben. Deshalb haben wir gesagt, wir nehmen diese Landschaft, aber die Serie könnte genau so gut  bspw. im Saarland spielen.

Wie ging es dann weiter mit der Entwicklung?

Der erste Gedanke damals war ja, man macht zwölfeinhalb Minuten, aber im Doppelpack. Zweimal zwölfeinhalb Minuten sollte das Format sein. In zwölfeinhalb Minuten kann man aber keine drei Stränge erzählen, sondern nur zwei. Deshalb haben wir angefangen, die Weekly zweisträngig zu erzählen, kamen im Sommer 1997 dann aber an den Punkt, dass wir gesagt haben: irgendwie macht dieses Zwölfeinhalb-Minuten-Format keinen rechten Spaß. Man kommt nicht richtig ran an die Geschichten, nicht richtig ran an die Figuren, weil man zu wenig Zeit hat. Man kann keine Tiefen erzählen, man kann es auch nur auf zwei Strängen verschneiden, das fanden wir höchst kompliziert. Deshalb gab es dann noch einmal eine grundsätzliche Diskussion mit dem Ergebnis, dass beschlossen wurde, Folgen von 25 Minuten Länge zu machen. Damit war dann auch klar, dass wir in drei Strängen erzählen. Wir haben dann festgelegt, dass wir einen A-Strang haben, der stärker mädchenorientiert ist, der zwischenmenschliche Geschichten erzählt, einen B-Strang, der einen stärkeren Abenteuerinhalt für Jungen hat und einen C-Strang, der eben der Comedy-Strang ist. Der A- und der B-Strang sind die beiden Hauptstränge, die dramatischen Stränge. Weil es schwer ist, einen Strang rein auf das Abenteuer festzulegen bzw. auf Schul- oder Beziehungsprobleme, erste Liebe etc., sind wir später von einer starren Vorstellung abgekommen. Starre Vorstellungen behindern immer das Erzählen.

Wir haben so gearbeitet, dass wir die Folgen in Blöcke zusammengefasst haben. Mein Gedanke war damals, wenn wir Folgen von 25 Minuten haben, dann werden wir rein produktionstechnisch auch in größeren Einheiten denken müssen, die wir zusammen entwickeln und produzieren. Wir haben dann gesagt, ein Block ist das, was in einem Monat gesendet bzw. in einem Monat produziert wird, also vier Folgen. Man muss das so machen, weil man ja nicht chronologisch drehen kann. Wenn man chronologisch dreht, kriegt man die Folgen nicht in der Zeit zusammen, die zur Verfügung steht. Die Zeitersparnis kommt ja zustande, indem alle Szenen, die z.B. im Direktorenzimmer spielen, hintereinander abgedreht werden. Mit jedem Kameraumzug, mit jedem Einleuchten, das man sich spart, spart man Zeit, und deshalb macht es Sinn, vier Folgen zusammen zu nehmen. 

Ist das eine ähnliche Produktionsweise wie bei den Daily Soaps?

Rein produktionstechnisch, ja. Deshalb haben wir ja das Weekly-Format. Weekly-Format heißt ja letztendlich 80 Prozent Innenaufnahmen, 20 Prozent Außenaufnahmen und funktioniert natürlich auch ein wenig in dieser industriellen Fertigungsform, indem man sagt, wir müssen am Tag acht Minuten abdrehen. Sie haben bei Schloss Einstein nur ein Problem: Der Haupt-Cast besteht aus Kindern, und das sind letztlich keine Schauspieler. Sie können erst nach der Schule da sein, d.h., sie können erst nach 14 Uhr und nicht länger als bis um 19 Uhr drehen. Und in dieser Zeit muss das auch abgedreht sein, d.h. sie haben einen ganz anderen Druck.

 Hat das auch Konsequenzen für die Stoffentwicklung? 

Später, als die Produktion losging und das ganze produktionstechnisch geplant wurde, haben wir erkannt, dass wir noch ein wenig Futter brauchen, d.h. Szenen, in denen die Kinder nicht drin sind, reine Erwachsenenszenen. Das war eine sehr seriöse und ernsthafte Diskussion, als die Produktion sagte, wir schaffen das nicht, wir kriegen das einfach nicht geplant, rein zeitlich nicht, wenn wir nur Kinderszenen haben. Und wir haben damals gesagt, das ist richtig. Andererseits bremsen alle Erwachsenenszenen aus meiner Sicht die Erzählung und die Erzählgeschwindigkeit ein wenig aus, weil man natürlich in den Geschichten trotzdem bei den Kindern ist. Was können die Erwachsenen machen? Die können nur darüber reden, was die Kinder machen. Das ist aber nicht so spannend. Wir haben uns dann geeinigt, pro Folge zwei Erwachsenenszenen zu machen. Die kann man dann nämlich immer schon vor 14 Uhr abdrehen. Das war ein Kompromiss, der aus produktionstechnischer Sicht geschlossen werden musste. Aber sonst hat sich an unserem anfänglichen Konzept nicht viel geändert. 

Schloss Einstein wurde also als Soap entwickelt. Ist das ein zutreffender Begriff?

 Da sind die Meinungen verschieden. Wenn sie Dieter Saldecki fragen, wird er ihnen sagen, dass Schloss Einstein nie und nimmer eine Soap ist. Ich bin der Meinung, wir haben das entwickelt als Soap, das war auch immer die Diskussion, die wir miteinander hatten. Ich habe stärker vom Genre aus diskutiert und Dieter hat dann gesagt, ja, wir wollen aber Kinderfernsehen machen, und das sei ja dann doch ein bisschen was anderes.

 Solche Dinge sind immer ganz stark abhängig von den Leuten, die sie machen. Wir hatten Schloss Einstein damals mit Peter Helling entwickelt, der den WDR dann aber verlassen hat, weil er Geschäftsführer einer Filmfirma geworden ist. Dieter Saldecki hat dann die Betreuung übernommen und hat natürlich auch seine ganz klaren Vorstellungen gehabt, wie das aussehen sollte. Wir haben dann darüber diskutiert und haben uns auch angenähert. Wir wussten ja, wir sind auf Neuland, wir machen etwas, was noch niemand gemacht hat. 

Worauf muss man denn besonders achten, wenn man eine Soap für Kinder macht?

 Für mich war Soap Opera nie ein Qualitätsmerkmal, es war auch keine ideologische Bestimmung. Soap hieß für mich einfach immer nur: Wir haben bestimmte Produktionsmechanismen, eine bestimmte Fertigungsform und wir haben eine bestimmte Art und Weise, wie man Geschichten erzählt. Nämlich, dass man sie a) in drei Strängen erzählt, b) dass man die Stränge miteinander verschneidet, c) dass man Szenen so schreibt, dass sie auf den Punkt kommen und dann muss man d) natürlich Spannungen aufbauen, und das kann man durch so eine Methode, weil wir möchten ja, dass die Zuschauer dabeibleiben.

 Sicher kann man jetzt Parameter von Soaps extrapolieren, nur letztendlich haben Sie dann das Problem, das Sie nicht wissen, ob das mit den Kindern funktioniert. Wie schnell werden die Kinder spielen lernen? Wie schnell kriegen sie Kameraerfahrung? Halten sie den Stress durch, wenn sie zwei, drei Tage in der Woche nach der Schule drehen? Wie verändert sich dadurch die Art und Weise, Geschichten zu erzählen? Wie geht man mit Dialogen um? Wie geht man damit um, dass man dann doch zwei Erwachsenenszenen braucht? Gerade bei den Outlines gab es regelmäßig Diskussionen, wie weit man gehen darf. Ich mache mal ein Beispiel, damit das anschaulich wird:

 Wir hatten eine sehr ernsthafte Diskussion zu der Geschichte mit dem Flüchtlingskind Aram. Aram kommt ins Heim und trifft dort auf einen alten Feind, er weiß, dass er dort nicht bleiben kann, darf sich aber auch nicht äußern, denn der würde ihn überall kriegen. Aram flieht aus dem Kinderheim. Sein Freund Marc, der noch dazu ein schlechtes Gewissen hat, weil er glaubt, dass er Aram verraten hat, kriegt das mit und versteckt ihn. Und dann passiert folgende, sehr schöne Geschichte: Durch ein Missverständnis glaubt Marc, Aram sei wieder verraten worden und muss zurück ins Heim. In diesem Moment, wo der Junge überhaupt keine Zeit hat, zu entscheiden, kommt er auf eine Idee, die folgenreich ist: Wenn Aram tot wäre, dann würde ihn keiner suchen. Das heißt, sie werfen Sachen in den See und täuschen im Grunde den Tod Arams vor. Was Marc in dem Moment nicht bedacht hat, ist, was das alles für Folgen haben kann. Im Internat ist eine unheimliche Trauer und alle machen sich Sorgen. Marc ist wie von einer Lawine überfahren, weil er damit nicht gerechnet, es nicht überblickt hat, in den fünf Minuten, in denen er die Entscheidung gefällt hat. Nun steht er da, und die Frage ist, wie er aus der Sache wieder raus kommt. Wir wollten dann natürlich auf einem Cliff enden. Cliff ganz klar: Aram ist tot. Dieter Saldeckis Position dazu war, das könne man nicht machen, man müsse ein Anzeichen geben, dass Aram noch lebt. man kann die Kinder nicht ins Wochenende schicken und eine ganze Woche damit leben lassen, dass sie denken, die Figur ist tot. Und ich habe dazu gesagt, doch, das kann man schon, denn das ist das Leben und das sollte man auch erzählen. Rein technisch muss man außerdem sagen, wir haben keinen Cliff, wenn wir erzählen, der ist tot, aber, liebe Kinder, der ist eigentlich gar nicht tot. Dann kann man den Cliff einfach vergessen und hat auch vom Spannungsaufbau diese Geschichte gecuttet. Wir hatten dann eine sehr ernsthafte Diskussion und haben uns dann darauf geeinigt, das wir es so machen werden, dass alle denken, er ist tot, und dass wir den Cliff dorthin setzen. Hinterher sagte dann Dieter Saldecki, ja das war gut, dass wir‘s so gemacht haben. Es gab aber auch andere Beispiele. Ich will damit nur sagen, das sind so Punkte, wo man sich annähert, wo man aus den verschiedensten Warten heraus diskutiert. Auf der einen Seite, da haben sie natürlich die reine Freude am Erfinden von Geschichten, eine Verantwortung für Geschichten - das bedeutet auch, einen Spannungsaufbau zu haben, ihre Figuren in Entscheidungssituationen zu treiben - das ist der eine Punkt und der andere Punkt ist, dass man sich fragen muss, wie weit man gehen kann. Wir haben auch eine Verantwortung als Kinderprogramm.

 Sie hätten sich gewünscht, dass Schloss Einstein stärker in Richtung Soap geht?

 Ich meine nicht, dass man in eine verlogene Kitsch-Kiste greifen sollte. Was ich meine ist, ob man nicht einmal Geschichten forcieren kann, oder ob jede Entscheidung der Figuren an jedem Punkt unbedingt so weise und klug sein muss, was ja auch manchmal vorkam. Ich mache auch das einmal an einem Beispiel fest: 

In einer Geschichte hatten wir eine Schülerin, die sich in ihren Lehrer verliebt. Ich hatte mir gedacht, ich würde gerne zwischen diesem Lehrer und der Erzieherin eine Liebesgeschichte erzählen und die beiden auch ein bisschen als Traumpaar verkaufen. Eine Liebesgeschichte lässt sich – aus unserem Grundsatz heraus – aber nur schwer erzählen, wenn wir sie nicht an die Kinderebene anknüpfen. Wir dachten dann, das wäre ja ganz schön, wenn sich die Schülerin in den Lehrer verliebt und gleichzeitig feststellt, dass sie in der Erzieherin eine Konkurrentin hat, so dass sie natürlich auch Intrigen und alles mögliche machen kann. Das war die Ausgangssituation. Wir haben die Geschichte schön groß angefangen, und dann kamen wir in die Diskussion, dass Dieter Saldecki nicht wollte, dass eine Konkurrenzsituation zwischen der Schülerin und der Lehrerin entsteht. Wir haben die Geschichte letztendlich abgeschwächt und nicht so lange erzählt, wie wir sie eigentlich erzählen wollten - nämlich mit allen Amplituden, die man da erzählen kann - weil die Konkurrenzsituation letztlich nicht stattfinden sollte. Darüber haben wir lange diskutiert, lange Argumente ausgetauscht. Ich hätte es lieber so erzählt, wie wir es geplant hatten, wir haben es damals aber anders entschieden. Ich sage ausdrücklich, wir haben es damals anders entschieden, weil alle Entscheidungen letztlich Konsensentscheidungen waren. Und ich will es noch mal sagen, es gab keinerlei Erfahrungswerte. Wir haben etwas völlig Neues geschaffen. Dadurch waren die Diskussionen darum, in welche Richtung es gehen soll und wie weit man mit Geschichten in diesem Metier gehen kann, natürlich viel gründlicher. 

Hatten sie bei der Entwicklung des Formats eine bestimmte Zielgruppe vor Augen?

 Unbedingt. Wir haben gesagt, wir wollen die 8- bis 14-Jährigen erreichen. Wenn es darum geht, wann Kinder das erste Mal in die Situation geraten, dass sie etwas weitreichendere eigene Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen, dann sind wir in dieser Altersgruppe. Und wenn man dann noch ein Spielalter von 12 bis 14 festlegt, dann ist die Zielgruppenorientierung schon dadurch gegeben. Also da kommen Inhalt, Anspruch und Zielgruppe sehr nah zusammen.

 Wurde bei der Entwicklung von Schloss Einstein versucht, die Serie für Kinder unterschiedlichen Alters attraktiv zu machen?

 Unser Gedanke war, Geschichten für Kinder zu erzählen, die a) noch nicht in dem Alter sind und sehen wollen, was die Älteren machen und b) für die Älteren, die sich dafür interessieren, was ihre Altersgenossen machen. Dabei kommt es natürlich stark auf die Erzählperspektive an. In Schloss Einstein erzählen wir die Geschichten immer von der Ebene der Kinder aus, und die Probleme werden nicht für sie gelöst, sie müssen sie selbst lösen. Wir stellen uns bei jeder Geschichte die Frage: Ist das eine Geschichte, wo Kinder Probleme lösen, wo sie sich durchsetzen müssen und wo sie letztendlich dann auch die Sieger sind? Das war von Anfang an klar, und das ist letztendlich wahrscheinlich auch das Erfolgsgeheimnis der ganzen Geschichte. Indem man diese Perspektive erzählt, schafft man natürlich auch ein Identifikationspotential.

 Sie denken also, Schloss Einstein ist deshalb erfolgreich, weil sich die Kinder mit den Protagonisten identifizieren können?

 Ja, da wird nichts herabgereicht, sondern die Kinder sehen Gleichaltrige in Problemen agieren, die sie auch haben, von denen sie gehört haben oder die sich vorstellen können, zu haben. 

Gab es für die Entwicklung des Formats auch strategische Überlegungen

Sicher. Ich halte es persönlich für einen sehr klugen Schachzug der ARD, zu sagen, wir weiten unsere Soap-Schiene nach vorne aus und sagen, wir erziehen unser Publikum für ein solches Format. Also ich finde das eine höchst clevere Entscheidung, wenn sie wirklich so bewusst kalkuliert worden ist, was ich selbstverständlich nicht weiß.

Auch im Zusammenhang mit dem Kinderkanal? 

Auch im Zusammenhang mit dem Kinderkanal, ja. Wir haben gesagt, wir schaffen ein Identifikationsprogramm, wir schaffen ein Programm, mit dem wir versuchen, die Zuschauer an den Sender zu binden und - das ist, glaube ich, ein ganz wichtiger Punkt – die älteren Kinder im Kinderkanal zu halten. Sie müssen sich mal die Quotenentwicklung im Kinderkanal ansehen. Mit Schloss Einstein haben sie plötzlich die älteren Kinder gehalten, die eigentlich schon beim Wegdriften waren. Voriges Jahr, zwei Monate nach dem wir auf Sendung gegangen sind, ist der gesamte Marktanteil des Kinderkanals um 2 oder 3 Prozentpunkte nach oben gegangen.

Es wird ja häufig gesagt, Kinder interessieren sich für die Daily Soaps, weil sie sich für die Welt der etwas Älteren interessieren. Warum kommen denn in Schloss Einstein keine Jugendlichen vor?

Man kann nur einen gewissen Ausschnitt erzählen. Unser Spielalter ist 12 bis 14, das ist unser Haupt-Cast und diese Geschichten erzählen wir, weil wir gesagt haben, wir erzählen Geschichten für Zuschauer, die im gleichen Alter oder jünger sind. Ich denke mir, die etwas Älteren, die können sich die Kinder auch bei Gute Zeiten, schlechte Zeiten ansehen, das wäre nicht der originäre Beitrag von Schloss Einstein. Aber ihre Frage hat noch einen anderen Hintergrund, den werden wir, denke ich, in einem Jahr sehen. Der SWR entwickelt jetzt gerade eine etwas ältere Variante von Schloss Einstein, deren Möglichkeit Dieter Saldecki und ich schon damals diskutiert haben.

 Es gibt in Schloss Einstein immer wieder kleine Erklärstücke, wo im Dialog, also in einer Art Scheingespräch, etwas erklärt wird, was in der Geschichte eine Rolle spielt...

 ...das ist im Konzept so in dieser Art nicht geplant gewesen. Das sind letztlich Geschichten, die in der Dialogarbeit und in der Redaktionssitzung passiert sind. Wo dann der Wunsch aufkam, das an dieser Stelle ein bisschen besser zu erklären. Da sind natürlich mit Dieter Saldecki auch Erfahrungen aus der Sendung mit der Maus hineinkommen, klar.

Man muss sehr vorsichtig sein, dass man das nicht überstrapaziert. Ich denke aber nach wie vor, es ist eine Frage des Maßes. Wenn man das sehr elegant und geschickt macht, kann das einen eigenen Charme haben. Wo es sich vordrängelt, finde ich es schwierig.

 Dieter Saldecki betont immer wieder, Schloss Einstein erzähle Geschichten aus der „Lebenswelt der Kinder“. Was verstehen sie denn darunter?

 Also die Lebenswelt der Kinder in Schloss Einstein ist natürlich eine andere, als die Lebenswelt der Kinder im Gropiusviertel, hier in Berlin oder weiß der Kuckuck wo, in München oder im Allgäu.

Was wir damals gesagt haben ist, wir schaffen eine reale Welt, die auch ein Moment an Idealität hat. Ohne dass das wegschwebt. Aber wir wollen in Schloss Einstein auch nicht erzählen, dass die Welt schwarz und grau ist, sondern dass es in der Welt Probleme und Schwierigkeiten gibt, die man aber mit Phantasie und Kraft und – wie ich das immer genannt habe – sozialer Kreativität lösen kann. Das heißt, diese Serie hat immer wieder das Ziel gehabt, dass soziale Kreativität freigesetzt oder erzählt wird. Soziale Kreativität heißt, ich bin in einer Situation und ich habe die Situation zu lösen. Eigentlich stehe ich ratlos da, aber wenn ich mal meinen Kopf ein wenig anstrenge, mich mit anderen unterhalte, kommuniziere, dann kriege ich Probleme auch auf andere Art gelöst, als mit Prügeln oder Saufen oder sonst etwas.

 Die Frage ist nur, wie viele Amplituden erzähle ich dazwischen, also wie nahe bringe ich es zum Scheitern, wie groß mache ich Verzweiflung, um am Ende dann doch das Happy End zu haben.

Vielleicht hätten wir da in manchen Fällen weitergehen können. Ich denke, dass nicht das Ende negativ ausgehen sollte, aber man kann dazwischen Dinge erzählen, wie es kippt, das sollte man schon tun, damit man nicht zu weit von der Realität weggeht. Dennoch sollten die Geschichten ein positives Ende haben und so ein positives Erlebnis am Ende bleiben, eine Befriedigung und Zufriedenheit. Das ist das Moment an Idealität, die Schloss Einstein gut tut, die Frage ist nur, wie dornig und steinig ich diesen Weg dorthin mache.

 Sie haben ja selbst auch Erfahrung als Dramaturg beim Marienhof. Was ist Ihrer Meinung nach der entscheidende Unterschied zwischen einer Soap für Erwachsene und einer Soap für Kinder?

 Die Erwachsenen-Soaps haben erst mal keine pädagogische Verantwortung in dem Sinne. In Schloss Einstein kann ich den Umgang mit Drogen z.B. nur ganz schwer darstellen, weil wir ja nicht erzählen könnten, dass irgendjemand Drogen nimmt, sondern erst mal erzählen würden, dass man mit zwölf Drogen nimmt. Deshalb muss man sich das sehr genau überlegen. Der zweite Punkt ist, man muss auch Themen wählen, die einen realen Bezug zum Leben der Zuschauer haben. Sie können nicht sagen, wir machen jetzt eine Kindersoap und transformieren nur Erwachsenenprobleme herunter und gucken mal, wie Zwölfjährige mit Erwachsenenproblemen umgehen. Also ein Coming Out können sie glatt vergessen, das müssen sie nicht erzählen, weil das in diesem Alter weniger stattfindet. Vielleicht bei einer Altersstufe höher, mit 15, 16, 17 Jahren, aber nicht mit 12, 13. Gut, also insofern gibt es da schon große Unterschiede, gerade in der Themenauswahl, weil sie bei Schloss Einstein eben einen begrenzten Blickwinkel haben, indem sie eben von der Ebene der Kinder aus erzählen.

 Unterscheidet sich der dramaturgische Aufbau von Schloss Einstein von dem anderer Soaps?

 Die Dramaturgie ist natürlich ähnlich. Man erzählt in jedem Fall drei Stränge und hat einen Haupt-Cast von 8 bis 10, maximal 12 Figuren, damit sie die Chance haben, diese Figuren noch zu erzählen. Figuren stehen ganz stark im Mittelpunkt, das ist für die Kinder genauso wie für die Erwachsenen. Soaps, ob für Erwachsene oder Kinder, leben von den Gesichtern und Namen derer, die da spielen, die man kennt, deren Wünsche, Erlebnisse, Hoffnungen, Niederlagen man sieht. Das ist schon ähnlich. Und wir erzählen auch bei Schloss Einstein zu einem Cliff hin.

 Zwei Dinge sind allerdings verändert worden. Das eine hat mit Kindern nichts zu tun, sondern mit Daily und Weekly. Sie dürfen natürlich den Cliff bei einer Weekly nicht so stark hochfahren, denn sie können ihn nicht am nächsten Tag auflösen. Das heißt, wenn sie eine Weekly erzählen, müssen sie das ganze schon etwas abgerundeter erzählen, und wir haben immer die Vorstellung gehabt, wir wollen die Geschichten bei Schloss Einstein noch ein wenig runder erzählen. Deshalb sind die Cliffs wirklich nach unten gefahren und haben nicht die Höhe eines normalen Soap-Cliffs. Wir wollen schon, dass auch eine Befriedigung da ist, dass man ein ganzes Teil gesehen hat, wenn man eine Folge gesehen hat, die nicht ganz so offene Enden hat. Das heißt auch, dass alle Geschichten in sich eine Geschlossenheit haben. Deshalb haben wir auch – das ist der zweite Punkt – den C-Strang eingebaut, den wir nach Möglichkeit in einer Folge mit 3 bis 4 Bildern erzählen und dann zum Schluss bringen.

 Noch einmal konkret: Was stellt bei Schloss Einstein die Innovation dar?

 Wir nehmen zwar die Form der Soap, bestimmt wird das Format aber natürlich von inhaltlichen Erwägungen, von den Themen, die erzählt werden. Dass Schloss Einstein in diesem Rahmen produziert werden muss, d.h. dass Sie in einem Monat vier Folgen produziert haben müssen, dass sie 25 Minuten erzählen, dass sie Recap und Cliff haben, dass sie drei Stränge haben, die sie miteinander verschneiden, dass sie einen 80/20-Anteil Innendreh/Außendreh haben, das ist ganz klar. Das ist das Format, das gemacht werden sollte. Der innovative Gedanke war eben, so ein Format mit Kindern zu machen. Dabei verändert es sich eben auch, aber das hat stärker etwas mit Inhalten und Themen zu tun.

 In Schloss Einstein werden die einzelnen Geschichten häufig nach etwa vier Folgen abgeschlossen. Sie erzählen also schneller bzw. episodischer als andere Soaps. Was sind die Gründe dafür?

 Wir haben zuerst ein bisschen experimentiert, wir haben überlegt, schreiben wir Futures, d.h. schreiben wir Geschichten über eine längere Zeit. Wir haben uns auch überlegt, wie lang darf man Geschichten ziehen. Wir haben da am Anfang einen Denkfehler gemacht, weil wir dachten, eigentlich ist es schön, Geschichten so lange wie möglich zu ziehen, um alle Höhen und Tiefen zu erzählen. Dann haben wir aber gemerkt, dass wenn wir eine Geschichte über einen Block hinaus erzählen, dann ist eigentlich über einen Monat Realzeit vergangen. Deshalb erzählen wir in der Regel einen Strang maximal einen Block lang.

 Das hat aber nichts damit zu tun, dass Schloss Einstein eine Soap für Kinder ist, sondern damit, dass es eine Weekly ist...

 Richtig. Erzähle ich in einer Daily eine Geschichte über zehn Folgen, habe ich zwei Wochen in der Realzeit verbraucht. In einer Weekly brauche ich dafür zweieinhalb Monate.

 Gab es denn Marktforschung während der Entwicklung oder Begleitforschung nach Ausstrahlungsbeginn? Sind diese Ergebnisse dann auch wieder in Ihre Arbeit eingeflossen?

 Konkrete Begleitforschung zu Schloss Einstein hat es meines Wissens nicht gegeben. Nachdem es dann eine Weile lief, gab es zwar eine Untersuchung, aber das war eine allgemeine Studie zum Kinderkanal.

 Die Monheim Studie?

 Ja. Bei der hat Schloss Einstein überraschend gut abgeschnitten....

 ...obwohl sie damals noch gar nicht so lange auf dem Sender war. Es wurde also nicht versucht, einzelne Charaktere, Themen oder Elemente durchzutesten?

 Nein. Das wäre wahrscheinlich ganz lustig gewesen, aber dazu war keine Zeit.

 Wurden Zuschauerreaktionen berücksichtigt?

 Ja, aber was stärker eingeflossen ist: Bei langlaufenden Serien entwickelt sich ein eigenes Leben am Set, d.h. die Darsteller die länger ihre Figuren spielen haben eine andere Beziehung dazu und haben dann bestimmte Wünsche. Wenn uns das für die Figur etwas bringt, und wenn uns da eine neue Geschichte ins Haus steht, dann haben wir das selbstverständlich gemacht.

 Wurden bei der Konzeption bewusst Elemente eingebaut, um Schloss Einstein ins Ausland verkaufen zu können?

 Wenn sie Kinderprogramm machen, dann haben sie auch den Wunsch, es zu verkaufen. Ich weiß zwar nicht, wohin Schloss Einstein inzwischen überall hin verkauft wurde, aber ich denke schon, dass man mit so einem innovativem Programm sicherlich den ein oder anderen Käufer findet. Aber dass wir nun gesagt hätten, wir machen da einen Einheitsbrei, damit es sich überall hin verkaufen lässt, das haben wir nicht gemacht. Es war ganz klar: Wir wollten eine Serie schaffen, die für das Publikum hier, für die Zuschauer in der Zielgruppe, die wir uns vorstellen, attraktiv ist.

 Würden sie die Serie als Erfolg bezeichnen?

 Ich denke, es ist ein Erfolg. Ich habe die Quoten nicht gesehen, ich weiß aber, dass die Quoten in der Zeit, in der ich Schloss Einstein gemacht habe, sehr weit oben waren, dass sie von Anfang an gewachsen sind. Es sind aber nicht nur die Quoten. Erfolg bemisst sich meiner Meinung nach daran, ob sich die Kinder gut unterhalten, wenn sie sich die Serie ansehen. Ich habe das auch in vielen Gesprächen mitbekommen, dass die Kinder die Geschichten angenommen haben. Man freut sich dann natürlich auch, wenn man hört, dass die Kinder eine Geschichte nach der Sendung nachspielen. Ja, ich denke, Schloss Einstein ist ein erfolgreiches Format geworden.

 Gibt es etwas, das sie heute anders machen würden?

 Wenn sie mich fragen, was ich heute anders machen würde, ist es das, was ich auch damals schon ganz gerne noch stärker in den Vordergrund gerückt hätte, nämlich die Geschichten ein wenig spannender zu machen, also mal in schroffere Wendungen zu drehen. Also, um auf das Beispiel mit der Erzieherin und Antje zurückzukommen, ich hätte mir damals vorgestellt, dass man diese Liebesbeziehung zwischen der Erzieherin und dem Lehrer fast scheitern lässt, weil Antje, verliebt in den Lehrer, da ein riesen Remmidemmi veranstaltet. Gut, wir haben uns auf diesen Punkt geeinigt, das ist auch in Ordnung, aber wenn sie mich fragen, ich bin natürlich derjenige, der sagt, lasst uns doch Geschichten konsequent erzählen.

 Konkretes Beispiel: Die Geschichte um das erste Mal von Nadine und Oliver. Ist das eine dieser Geschichten, die ihrer Meinung nach nicht so ganz konsequent erzählt wurden?

 Da bin ich auch höchst unsicher, wir haben das immer wieder debattiert miteinander - wie weit wollen wir da gehen, wie weit können wir da gehen? - da ist man an einem Scheidepunkt. Einerseits kann man sagen, die Kinder sind schon viel weiter, andererseits darf man sich auch nicht verschätzen, die sind nämlich in ihrer emotionalen Ausprägung soweit auch wieder nicht, wie es manchmal in der Verbalität den Eindruck macht. Die Magazine hängen am Stand, die Sprache hat sich vergröbert, sexualisiert, usf., das ist klar, die werfen mit Wörtern um sich, wo man denkt, Mann, sind die „tough“, aber ihre emotionale Erfahrung und emotionale Sicherheit steht gar nicht dazu. Das heißt, wenn sie ein Bild von sich verbreiten, dann darf man dieses Bild nicht zu ernst nehmen, potenzieren und dann als Bild wieder zurückreflektieren.

 Man hat bei Schloss Einstein ab und zu den Eindruck, dass eine gewisse emotionale Kälte herrscht. Ich weiß nicht, ob ich mich da jetzt richtig ausdrücke, dass z.B. Gefühle nicht richtig ausgespielt werden, bzw. von den Büchern auch nicht angelegt sind...

 ...das ist eine wirklich interessante Beschreibung. Das war nämlich auch immer wieder unser Diskussionspunkt, wo ich an einem Punkt in der Geschichte z.B. dachte, jetzt, in dieser Situation, rastet die Figur aus - und Dieter Saldecki sagt, das machen unsere Kinder nicht und wollte dann immer wieder einen etwas abgeklärteren Ton drin haben. Das ist so ein Punkt, wo ich nicht immer so ganz übereinstimme. Ich hätte mir ab und zu auch mal mehr Unvernunft gewünscht, mehr reagieren auf eine Situation, aus einer Betroffenheit heraus. Das ist diese emotionale Kälte, die sie beschrieben haben, das finde ich in der Tat ein Problem, das hätte ich mir auch anders gewünscht, ein bisschen lebendiger...

 Dieter Saldecki hat einmal gesagt, Schloss Einstein orientiere sich an der Lindenstraße. In den USA hat es schon vor ein paar Jahren eine College-Serie für Kinder gegeben – Fifteen - , die dort im kommerziellen Kindersender Nickelodeon lief. Gibt es irgendwelche Vorbilder für Schloss Einstein?

 Nein. Ich hatte kein Vorbild, ich hatte eine Aufgabe. Die Aufgabe hieß, wir machen eine Kinder-Soap - das war einer der bösen Begriffe, die dann später gestrichen worden sind – aber die Vorgabe war ganz klar, wir schaffen eine Weekly für Kinder und produzieren sie unter Soap-Bedingungen. Das ist wahrscheinlich der kleinste gemeinsame Nenner. Das war die Vorgabe. Die Aufgabe war, diese Vorgabe erfolgreich zu erfüllen. Diese Aufgabe ist gelöst worden.

 Mich hat nicht interessiert, ob es da irgendeine College-Serie gab, oder die Lindenstraße. Ich weiß, wie man so eine Geschichte produziert, ich weiß, welche Parameter man braucht, ich weiß, was die ästhetischen und dramaturgischen Fixpunkte sind. Ob das Programm für Kinder funktionieren würde, wusste ich nicht. Ich hatte zunächst gedacht, dass man für Kinder ein wenig action-betonter erzählen müsste, dass Abenteuer im Mittelpunkt stehen sollten. Als wir dann die ersten Geschichten hatten und wir dann gesagt haben, gut, wir erzählen das, war für mich die große Frage, lässt sich das so erzählen, funktioniert das so, kommt das an bei Kindern. Da war ich wirklich selber gespannt, ob es funktioniert.

 War die Zeit reif, für eine Kinder-Soap?

 Absolut. Ich glaube, es ist kein Zufall, dass es jetzt passiert, zumal sie ja im Fernsehen eine Entwicklung sehen können, die sich wahrscheinlich in den nächsten 15 Jahren noch verstärken wird. Auf der einen Seite wird es mehr Event-Programme geben, auf der anderen aber auch immer mehr Billigprogramme (damit meine ich nicht die Qualität!).

 Gute Zeiten, schlechte Zeiten, Verbotene Liebe, Marienhof und Unter Uns – Serien, die für die Kinder übrigens viel wichtiger sind, als die Lindenstraße – haben das Fernsehverhalten der Kinder, das ästhetische Empfinden der Erwachsenen und Kinder, sehr stark geprägt. Dass diese ganze Struktur, die Aufnahmetechnik, 2-3 Kameras, Video, Überschneiden, dass all das vor zehn Jahren noch furchtbar gewesen wäre, heute aber zum Alltag gehört, ist natürlich die Grundlage dafür, dass wir heute eine Soap für Kinder machen können.